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Tuesday, 22. August 2017

Zur Teufelskanzel – Sage

Es ist bekannt, dass in der deutschen Mythologie der jährliche angebliche Hexenhauptzug zur Walpurgisnacht in der Nacht auf den 1. Mai stattfand. Ursprünglich war das die Zeit des alten Opferfestes und der Maiversammlung des Volkes. Am 1. Mai hielt man in Germanien auch die ungebotenen Gerichte ab, das fröhliche Maireiten fiel auf diesen Tag, aber auch das Entzünden des heiligen Feuers. Hexenfeste zu Pfingsten, Walpurgisnacht, Johannis und Bartholomei überkamen nicht zuletzt als Feier- und Gerichtstage des Mittelalters. Deutlich markieren alte Gerichtsorte auch Plätze fiktiver Hexenorgien. Dazu traf man sich anstatt „auf der Wiese“. „am Eichwasen unter der Linde“, „unter der Eiche“ und tanzte fast immer an Orten peinlicher Gerichtsbarkeit, „unter dem Galgenbaum“, „auf dem Felsen“. Ganz besonders beliebte Treffpunkte waren jedoch Hochberge wie beispielsweise Brocken und Meissner. Sage und Wahn verschmolzen miteinander, und so breitete sich in Umkehrung der Opferfeste allmählich das Ruchbare aus, je nachdem die Kirche Inhalte tolerierte oder strenger zu zügeln begann. Was sie strafen und ausrotten wollte, musste milder Einbildungskraft entzogen werden schauerhafte Realität annehmen. Am unliebsamsten war christlichen Eiferern der Tanz, weil in ihm sündhaft Heidnische, Teufelei und Zügellosigkeit verschmolzen. Die Folterknechte pressten ihren Opfern Geständnisse ab, die stereotyp das Tanzen auf den Versammlungen als Unzuchtabsicht herausstellten. Hexen trieben es mit ihren Buhlen, die allesamt nur Diener ihres obersten Herrn des Teufels waren, der in Bocksgestalt auf einem hohen Stuhl inmitten eines magischen Zirkels devote Huldigungen entgegennahm.

Es mutet abenteuerlich an, wenn noch heute seriöse Überlegungen angestellt werden, ob einst der Hexerei bezichtigte Frauen und Mädchen geglaubt hätten, auf Besen oder Opfergabeln „ausgeritten“ zu sein. Es wird darüber nachgedacht, ob nach Verabreichung von Narkotika und Bilsenkraut, Stechapfel, Eisenhut  oder Wasserschierling, auf der Folter Halluzinationen zur Geständnisbereitschaft hervorgerufen wurden. Damit befassten sich die Hexenschinder wohl kaum, wenn allein Ungeheuerlichkeit der Folter Widersinnigstes gestehen ließ.

Auch die Sagen um die „Teufelskanzel“ entsprachen altem Bezugsdenken. Wuchsen sie doch aus dem Dunkel regionalen Aberglaubens. Dabei werden eine altgläubig eichsfeldische Variante und eine mythologische deutlich.

Erstere erzählt, dass sich der Sandsteinblock der Teufelskanzel vor undenklichen Zeiten von Höheberg gelöst hat und dem Teufel hoch über der Werra als Kanzel diente, bis sich eines Tages ein eichsfeldischer Bauer unter den Felsblock niedersetzte, um Vesper zu machen. Der Satan aber predigte über ihm.

Der Bauer hört eine Weile zu, um den hohen Herrn schließlich zu unterbrechen: „Ihr da oben habt vergessen, eure Predigt, wie es üblich ist, mit in nomine sancte et individue trinitatis zu beginnen“. Als der „Teufel vom Kreuzschlagen“ hörte, sprang er mit einem gewaltigen Satz ins Tal hinab und drückte seinen Pferdehuf tief in die Werraaue ein. Die Werra aber wich dem Teufelsmal aus und nahm ihren Lauf drumherum. So fließt die Werra dort in einem Bogen, der einem Hufeisen gleicht… und konnte auch durch Grenzzäune nicht begradigt werden.

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Die andere Sage weiß zu berichten:

„Als zur Walpurgisnacht die Hexen wieder einmal auf den Brocken zusammenkamen, provozierten sie den Teufel, ob er wohl imstande sei, den großen Felsblock, auf dem er grade gepredigt hatte, zum hessischen Meissner hinüberzutragen. Allerdings dürfe er den Felsblock unterwegs nicht absetzen. Die Wette galt. Über dem Harzgebirge wich die Nacht schon dem Tage und die vom Treiben erschöpften Hexen schickten sicht an, auf ihren Stecken heimwärts zu reiten, als der Gehörnte, den Felsbrocken auf den Schultern, sich in die Lüfte erhob und Kurs Südwest davon rauschte. Was anfangs leicht ging, wurde für den Teufel bald zu Qual. Und weil der Höheberg über der Werra direkt unter ihm lag, landete er, um ein Nickerchen zu machen.

Plötzlich segelte eine Hexe über den Schlafenden dahin, bemerkte den Chef und rief hinunter: „Ei Hans, was tust du da? Ich dachte, du wärst schon längst auf dem Meissner?“ Da fuhr der in seiner Schwäche ertappte Teufel auf und jagte der Hexe nach. Den Felsbrocken aber vergaß er wieder aufzunehmen. Die Leute dort nannten von nun an den Felsen „Teufelskanzel“.

Carl Duval schrieb 1845 in seiner romantischen Beschreibung des Eichsfeldes über die Kanzel:

"Man muss übrigens den Teufel nachsagen, dass er seinen Ruheplatz mit Geschmack wählte, denn man kann sich  von der Stelle, an der er Siesta gehalten hatte, kaum losreißen. Ich jedenfalls, obwohl ich sie schon öfter gesehen, freute mich derselben und setzte dann meinen Weg fort, bis ich aus dem Walde tretend, die Trümmer des alten Hanstein vor mir erblickte, die mich, so bekannt sie mir schon waren, wieder von neuem entzückten.“

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